#173 Wer verfügt über den Körper?
Shownotes
* Wer verfügt über den Körper? - Zwischen Wahrnehmung und Selbstbestimmung *
Was passiert, wenn du spürst, dass mit deinem Körper etwas nicht stimmt, deine Wahrnehmung aber zunächst keine medizinische Bestätigung findet? Und wie selbstbestimmt können Entscheidungen sein, wenn nach einer Krebsdiagnose plötzlich alles sehr schnell gehen muss?
In dieser Solo-Folge erzähle ich von meinem neuen Buchmanuskript „Wer über den Körper verfügt – Zwischen Wahrnehmung und Selbstbestimmung“. Entstanden ist es aus den Geschichten von Frauen mit Krebs und aus einer Frage, die sich beim Schreiben immer weiter in den Vordergrund geschoben hat: Wer verfügt eigentlich über meinen Körper?
Anhand verschiedener Geschichten spreche ich über das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung, über Entscheidungen während einer Krebstherapie und über Situationen, in denen Frauen das Gefühl haben, dass ihr Körper vor allem untersucht, beurteilt und behandelt wird.
Es geht auch darum, was es braucht, um Entscheidungen selbstbestimmt treffen zu können – und wie sich das Verhältnis zum eigenen Körper nach einer Erkrankung verändern kann.
In dieser Folge erfährst du: • warum das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung eine wichtige Rolle spielen kann • was Selbstbestimmung während einer Krebsbehandlung bedeuten kann • warum verständliche Informationen und gute Kommunikation so wichtig sind • wie unterschiedlich Entscheidungen über den eigenen Körper aussehen können • warum die Frage nach Selbstbestimmung mit dem Ende der Therapie nicht abgeschlossen sein muss • wie ein veränderter Körper wieder mehr zum eigenen Körper werden kann • welche Rolle die Fotografie dabei spielen kann
Ich hoffe sehr, dass auch diese Folge für dich wertvoll ist und du einige Impulse für dich selbst mitnehmen kannst.
Am 24. September um 19 Uhr findet der "Zurück zu dir" - Themenabend statt. Es geht noch einmal um Trauer. Zu Gast ist die Trauerbegleiterin Melanie Metasch, mit der wir darüber sprechen, welche Rolle Trauer im Leben mit und nach einer Krebserkrankung spielen kann. Der Abend ist kostenfrei und findet online über Zoom statt. Alle Infos und die Anmeldung findest du hier: https://www.franziskaguentherfotografie.de/zurueck_zu_dir
Wie immer freue ich mich riesig, wenn du deine eigenen Erfahrungen oder deine Gedanken zur Folge auf Instagram @franziskaguentherfotografie mit uns teilen möchtest, schreibe gerne in die Kommentare. Hinterlasse mir auch super gerne 5 Sterne und abonniere & teile den Podcast mit deinen Freunden und deiner Familie. So hilfst du dabei den Podcast LEBE SELBSTVOLL weiter in die Welt zu tragen.
Alle Infos zu meiner fotografischen Arbeit, den schön & stark Einzelshootings, dem Podcast "lebe selbstvoll" und den schön & stark Gruppenshootings findest du auf https://www.franziskaguentherfotografie.de
Ich wünsche dir alles Liebe, lebe selbstvoll, deine Franziska
Transkript anzeigen
00:00:09: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Liebe selbstvoll, dem schönen und starken Podcast für mehr Selbstfürsorge.
00:00:17: Hier geht es um Frauen die an Krebs erkrankt sind – um die Erfahrungen, die sie während der Therapie gemacht haben, um ihre Sorgen und Nöte aber auch um mögliche Richtungswechseln, die eine Krebsdiagnose mit sich bringen kann!
00:00:30: Wir sprechen darüber, was dir das Leben erleichtern kann.
00:00:33: Welche Erkenntnisse betroffene Frauen im Laufe der Zeit gewonnen haben und wo die Prioritäten im Leben liegen.
00:00:38: – ich wünsche Dir ganz viel Freude beim Zuhören!
00:00:45: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von «Lebe selbst voll».
00:00:50: Mein Name ist Franziska Günter-Güldenfennig.
00:00:52: Ich bin Fotografin um begleite Frauen nach einer Krebserkrankung dabei wieder einen neuen Blick auf ihren Körper zu finden.
00:01:03: Bevor ich mit der heutigen Folge beginne, möchte ich noch ein paar persönliche Worte sagen.
00:01:10: Am vergangenen Sonntag ist die Liebe Francesca eingeschlafen – viele von euch kennen sie weil sie mehrmals bei mir im Podcast zu Gast war und hier sehr offen über ihre Erkrankung und ihr Leben gesprochen hat.
00:01:24: Francesca war für mich aber vielmehr als eine Frau, die ich durch meine Arbeit kennenlernen durfte.
00:01:30: Über die Jahre ist sie mir sehr ans Herz gewachsen Und aus unserem Begegnungen ist eine Freundschaft entstanden.
00:01:39: Ich bin sehr dankbar für die Zeit, die wir miteinander hatten – für unsere Gespräche und für all die Bilder, die gemeinsam gemacht haben – und dafür dass sie ihre Geschichte hier im Podcast mit uns geteilt hat.
00:01:50: Meine Gedanken sind bei ihrer Familie und allen Menschen, die ihr nahestanden.
00:01:55: Francesca wird mir sehr fehlen!
00:01:57: Und ich bin dankbar, dass sich sie kennenlernen durfte.
00:02:05: Heute gibt es mal wieder eine Solo-Folge Und ich möchte heute über ein Thema sprechen, das mich in den vergangenen Monaten sehr intensiv beschäftigt hat.
00:02:15: Ich habe nämlich einen Buch geschrieben und es fühlt sich tatsächlich immer noch ein bisschen merkwürdig an wenn ich das so sage Vielleicht auch deshalb weil dieses Buch bisher nur als Manuskript existiert.
00:02:28: Es ist noch nicht veröffentlicht und ich weiß auch im Moment noch nicht welchen Weg es einmal nehmen wird Aber es ist da.
00:02:36: Es trägt den Titel, wer über den Körper verfügt zwischen Wahrnehmung und Selbstbestimmung.
00:02:42: Entstanden ist dieses Buch aus etwas das auch die Grundlage des Podcasts ist – Aus den Geschichten mit Frauen, die an Krebs erkrankt sind.
00:02:54: Ich führe diese Gespräche inzwischen seit vielen Jahren zuerst bei meinen Fotoshootings später sehr viel ausführlicher hier im Podcast Und irgendwann ist mir aufgefallen dass die Diagnosen und die Krankheitsverläufe zwar vollkommen unterschiedlich sind, bestimmte Erfahrungen aber immer wieder auftauchen.
00:03:14: Frauen erzählen mir das sie Veränderung an ihrem Körper wahrgenommen haben und zunächst nicht ernst genommen wurden.
00:03:23: Sie erzählen davon wie schnell nach einer Diagnose plötzlich Entscheidungen getroffen werden mussten von Operationen Untersuchungen und Behandlungen bei denen sie irgendwann das Gefühl hatten, dass ihr Körper vor allem etwas ist, was untersucht und behandelt wird.
00:03:41: Was ja auch richtig ist, aber der Mensch dahinter kam in vielen Fällen irgendwie zu spät.
00:03:51: Frauen erzählen mir davon, dass eine abgeschlossene Therapie längst nicht automatisch bedeutet, dass danach wieder alles so ist wie vorher.
00:04:01: Irgendwann während des Schreibens Dieses Buch hat sich deshalb eine Frage immer weiter in den Vordergrund geschoben.
00:04:09: Wer verfügt eigentlich über meinen Körper?
00:04:13: Eigentlich scheint die Antwort darauf vollkommen selbstverständlich zu sein, nämlich ich!
00:04:18: Mein Körper gehört mir – Ich entscheide was mit ihm passiert.
00:04:22: Ich spüre wenn es mir gut geht und ich merke wenn etwas anders ist.
00:04:29: Welche Eingriffe ich zulasse und welche Behandlung ich in Anspruch nehme.
00:04:36: Aber was passiert mit dieser Selbstverständlichkeit, wenn eine schwere Erkrankung in das eigene Leben kommt?
00:04:44: Und vielleicht beginnt Veränderungen sogar schon vor der Diagnose.
00:04:50: Eine der Frauen, deren Geschichte für meinen Buch aufgeschrieben habe ist Susanne.
00:04:57: Susanne war Mitte vierzig und fühlte sich gesund.
00:05:01: Irgendwann bemerkte sie Blutung, die sich nicht erklären konnte.
00:05:06: Sie ging damit zum Arzt.
00:05:09: Zunächst wurde vermutet, dass Hämorrhiden die Ursache seien.
00:05:14: Der Tastbefund war unauffällig – sie wurde beruhigt!
00:05:18: Nur Susanne selbst war eben doch nicht so richtig beruhigend.
00:05:23: Sie spürte das etwas nicht, stimmte.
00:05:26: Sie gingen wieder zum Arz.
00:05:28: Sie zeigte sogar Bilder von den Blutungen.
00:05:31: Trotzdem gab es zunächst keinen Befund, der ihre Wahrnehmung bestätigte.
00:05:36: Und ich finde genau diesen Moment interessant!
00:05:39: Denn was passiert eigentlich mit uns, wenn wir etwas in unserem Körper spüren und ein Mensch mit medizinischer Expertise dann sagt – da ist nichts?
00:05:51: Wem glauben wir denn?
00:05:53: dem eigenen Körper?
00:05:55: oder glauben wir den Menschen, der viel mehr über Medizin weiß als wir selbst?
00:06:02: Bei Susanne dauerte es bis schließlich auf ihre eigene Initiative hin weitere Untersuchungen durchgeführt wurden.
00:06:10: Und am Ende stand die Diagnose Darmkrebs.
00:06:14: und natürlich bedeutet das nicht, dass hinter jedem Symptom das zunächst harmlos eingeordnet wird eine schwere Erkrankung steckt.
00:06:21: um Gottes Willen.
00:06:22: Darum geht es mir überhaupt nicht!
00:06:24: Mich interessiert etwas anderes was macht mit der eigenen Wahrnehmung wenn man immer wieder hört dass das, was man selbst spürt wahrscheinlich keine Bedeutung hat.
00:06:36: Denn aus einem körperlichen Gefühl kann irgendwann eine ganz andere Frage werden nämlich Kann ich mir eigentlich selbst vertrauen?
00:06:46: Habe ich vielleicht übertrieben?
00:06:49: Bin nicht zu ängstlich?
00:06:50: habe ich zu früh reagiert oder vielleicht zu spät?
00:06:55: Und genau solche Fragen sind wir beim Schreiben immer wieder begegnet.
00:07:00: Besonders auffällig fand ich dabei die Geschichten jüngerer Frauen.
00:07:04: In meinem Buch gibt es zum Beispiel die Geschichte von Carla, sie war Anfang zwanzig als sie krank wurde.
00:07:10: bei ihr passte vieles zunächst überhaupt nicht zusammen.
00:07:13: ihre blutwerte waren auffällig Sie wurde in verschiedenen Krankenhäusern untersucht Es gab unterschiedliche Verdachtsdiagnosen und irgendwann wurde schließlich ein sehr großer Tumor entdeckt.
00:07:26: Und trotzdem blieb lange unklar, um was für ein Tumor sich überhaupt handelte.
00:07:31: Carla bekam sogar die Diagnose eines gutartigen Tumors.
00:07:35: Sie selbst recherchierte und schaute sich die Befunde an und hatte immer stärker das Gefühl – das passt nicht!
00:07:42: Und jetzt stell dir diese Situation einmal vor….
00:07:44: Du bist Mitte zwanzig.
00:07:47: Die gegenüberstehen Ärzte aus renommierten Kliniken.
00:07:50: Und sie sagen dir, dass dieser Tumore gutartig
00:07:54: ist.".
00:07:56: Und ein eigenes Gefühl sagt ihr etwas anderes.
00:07:59: Wie viel Vertrauen muss man in sich selbst haben, um dann weiterzufragen?
00:08:06: Carla hat genau das getan!
00:08:09: Sie hat weitere Ärzte gesucht, sich weiter informiert und irgendwann eine Ärztin gefunden bei der sie sich zum ersten Mal gehört fühlte also wo ihr wirklich zugehört wurde.
00:08:23: Der Tumor wurde schließlich operiert Und die endgültige Diagnose lautete tatsächlich Liposakum, also Krebs.
00:08:33: Carla hatte mit ihrer Wahrnehmung recht gehabt.
00:08:36: Aber auch hier finde ich gar nicht die Frage interessant wer am Ende Recht hatte!
00:08:41: Mich beschäftigt viel mehr was auf dem Weg dorthin passiert.
00:08:46: Denn Carla hat einmal beschrieben dass sie irgendwann selbst nicht mehr wusste ob sie ihre inneren Stimme noch vertrauen kann wenn gleichzeitig so viele Ärzte zu einer anderen Einschätzung kommen.
00:08:58: Und ich glaube, dass genau dort etwas mit der Selbstbestimmung passiert.
00:09:04: Denn um selbstbestimmt entscheiden zu können muss sich zumindest das Gefühl haben, dass meine eigene Wahrnehmung Gewicht hat.
00:09:14: Ich muss verstehen können was gerade passiert?
00:09:16: Ich brauche Informationen!
00:09:19: Ich braue Zeit soweit sie medizinisch vorhanden ist.
00:09:26: der mir darauf antwortet.
00:09:29: Eine Entscheidung ist ja nicht deshalb selbstbestimmt, weil am Ende meine Unterstrift unter einem Aufklärungsbogen steht – das ist etwas, worüber ich beim Schreiben sehr viel nachgedacht habe!
00:09:41: Denn nach einer Krebsdiagnose beginnt häufig eine Zeit in der unglaublich viel, unglaublich schnell passiert.
00:09:49: Da gibt es Befunde, weitere Untersuchungen, Arztgespräche, Therapieempfehlungen und Operationstermine und plötzlich tauchen Begriffe auf, die man vorher vielleicht noch nie gehört hat.
00:10:01: Und gleichzeitig soll man aber Entscheidungen treffen, die enorme Auswirkungen auf das eigene Leben haben können.
00:10:07: Vielleicht geht es um eine Brust?
00:10:10: Um die Gebärmutter, um die Eierstücke, um einen künstlichen Damausgang, um eine Chemotherapie... ...um eine Bestrahlung, um Fruchtbarkeit, um Sexualität!
00:10:22: Und manchmal sogar um die Frage welches Risiko man bereit ist einzugehen.
00:10:27: Und während medizinischer Abläufer einem bestimmten System folgen, folgt die eigene Verarbeitung diesem Tempo nicht unbedingt.
00:10:38: Das ist mir in so-so vielen Gesprächen begegnet.
00:10:42: Frauen erzählen rückblickend dass sie in dieser Zeit einfach funktioniert haben – ein Termin nach dem anderen, eine Untersuchung nach der anderen….
00:10:52: man macht was gemacht werden muss!
00:10:55: Und manchmal versteht man erst viel später, was eigentlich alles passiert ist.
00:11:01: Eine Geschichte aus meinem Buch macht für mich besonders deutlich wie schwierig Selbstbestimmung unter solchen Bedingungen sein kann.
00:11:08: Natalie bekam Mitte dreißig – also als sie Mitte Dreißig war die Diagnose Gebärmutterheitskrebs.
00:11:16: Sie hatte zu diesem Zeitpunkt einen Kinderwunsch und unmittelbar nach der Krebsdiagnose stellte sie fest dass sie schwanger war.
00:11:24: Plötzlich standen also zwei Dinge gleichzeitig im Raum.
00:11:28: Sie wollte leben und sie wollte dieses Kind!
00:11:31: Die erste medizinische Empfehlung war eine radikale Operation mit Entfernung der Gebärmutter.
00:11:37: Für Natalie hätte das bedeutet, dass die Schwangerschaft beendet und sie gleichzeitig endgültig ihre Fruchtbarkeit verliert.
00:11:46: Sie wollten einen anderen Weg suchen Und so begann sie zu recherchieren und fand schließlich ein spezialisiertes Zentrum, in dem eine andere Möglichkeit mit ihr besprochen wurde.
00:11:58: Sie entschied sich für eine Operation bei der der Gebärmutterhals mit dem Tumor entfernt wurde – die Gebärmutter aber zunächst erhalten blieb.
00:12:07: Später erhielt sie während der Schwangerschaft eine Chemotherapie.
00:12:12: Das Kind wurde schließlich per Kaiserschnitt geboren und anschließend wurde Nathalie's Gebärmother entfernt.
00:12:18: Wenn ich diese Geschichte erzähle, dann möchte ich daraus ausdrücklich keine allgemeine Aussage über die richtige medizinische Entscheidung ableiten.
00:12:27: Das kann ich nicht und das möchte auch gar nicht!
00:12:30: Was mich an Nathalie's Geschichte beschäftigt, ist die Frage was Selbstbestimmung in einer solchen Situation überhaupt bedeutet?
00:12:39: Denn eine selbstbestimmte Entscheidung bedeutet ja nicht zwangsläufig dass es eine gute und eine schlechte Möglichkeit gibt und dass man sich nur für die gute entscheiden muss.
00:12:50: Manchmal gibt es zwei Möglichkeiten oder mehrere Möglichkeiten und alle haben ihren Preis, oder haben einen Preis.
00:12:59: Manchmal muss man Risiken gegeneinander abwägen, manchmal gibt es keine Entscheidung die sich wirklich gut anfühlt Und trotzdem ist es der eigene Körper und das eigene Leben für dass diese Entscheidung getroffen wird.
00:13:13: Vielleicht braucht Selbstbestimmung deshalb auch die Möglichkeit eine Situation überhaupt erst zu verstehen Fragen stellen zu können, eine Zweitmeinung einzuholen.
00:13:25: Zu sagen ich brauche noch einmal eine Erklärung oder Ich habe das nicht verstanden.
00:13:32: Oder auch ich möchte wissen ob es noch einen anderen Weg gibt.
00:13:37: Kennst du schon zurück zu dir?
00:13:40: Zurück zu dir, das sind meine kostenfreien Online-Abende für Frauen die selbst an Krebs erkrankt sind oder waren.
00:13:47: Wir sprechen über Themen, die im Leben mit und nach einer Krebserkrankung eine Rolle spielen können.
00:13:53: Zu einigen Abenden lade ich Gäste ein, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu einem bestimmten Thema mitbringen.
00:13:58: Welcher zurück zu dir Abend als nächstes stattfindet – und wie du dich anmelden kannst!
00:14:03: Das erfährst Du über den Link in den Show Notes.
00:14:09: Eine andere Frau in meinem Buch heißt Sarah.
00:14:11: Sie ist Apothekerin, also sie ist durchaus daran gewöhnt medizinische Zusammenhänge zu verstehen und trotzdem gab es während ihrer Erkrankung eine Situation die mich beim Schreiben sehr beschäftigt hat.
00:14:25: Sie saß gemeinsam mit ihrem Mann beim Arzt und der Arzt erklärte ihre Mann was er auf den Untersuchungen sah und wie er diese Situation einschätzte.
00:14:37: Sarah saß daneben.
00:14:39: Sie war die Patientin.
00:14:41: Es war ihr Körper!
00:14:43: Und irgendwann sagte sie ganz deutlich, ich bin ihre Patientin und es ist mein Körper.
00:14:48: bitte sprechen Sie mit mir.
00:14:50: Dieser Satz ist eigentlich so selbstverständlich und gleichzeitig erzählt er unglaublich viel.
00:14:57: Ich Bin Ihre Patientin.
00:14:59: Es Ist Mein Körper.
00:15:00: Bitte Sprechen Sie Mit Mir.
00:15:03: Sarahs weitere Geschichte wurde sehr kompliziert.
00:15:09: Die Diagnose eines seltenen Sakums, später wurden Metastasen festgestellt.
00:15:14: Informationen kam teilweise bruchstückhaft bei ihr an.
00:15:19: Ein wichtiges Ergebnis erhielt sie per E-Mail.
00:15:21: Sie schrieb Fragen an einen Arzt und bekam darauf irgendwann nur ein knappes Okay zurück.
00:15:28: Also begann sie selbst zu recherchieren!
00:15:31: Sie musste sich wissen aneignen um überhaupt verstehen zu können was mit ihr geschah Und auch dieses Muster habe ich in meinen Gesprächen häufig gehört.
00:15:40: Betroffene werden irgendwann zu Expertinnen ihrer eigenen Erkrankung.
00:15:45: Natürlich ersetzen sie damit keine Ärzte, aber sie kennen plötzlich Tumorarten, Medikamente, Studien, Nebenwirkungen Blutwerte und Behandlungsmöglichkeiten von denen Sie wenige Monate zuvor noch nie etwas gehört haben.
00:16:01: Manchmal entsteht dieses Wissen aus Interesse Aber ich glaube sehr häufig entsteht es auch aus einer Notwendigkeit heraus.
00:16:10: Weil man Fragen hat, weil Entscheidungen anstehen, weil man verstehen möchte und weil man handlungsfähig bleiben will.
00:16:20: Und ich frage mich wie viel Kraft das eigentlich kostet?
00:16:25: Denn wir sprechen über Menschen die gleichzeitig mit einer Krebsdiagnose umgehen müssen – mit Angst vielleicht mit Schmerzen Mit Nebenwirkungen, mit Kindern die versorgt werden müssen.
00:16:39: Mit einem Partner oder einer Partnerin?
00:16:41: Mit einem Beruf, mit finanziellen Sorgen – mit der Frage ob man gesund wird!
00:16:47: Und in genau dieser Situation soll man sich möglicherweise noch Selbstinformationen zusammensuchen und dafür sorgen dass die eigenen Fragen beantwortet werden.
00:16:59: Ich glaube das ist eine der Punkte die mir durch das Schreiben meines Buches noch einmal viel deutlicher geworden sind.
00:17:05: Wir sprechen sehr gerne über Selbstbestimmung, aber selbstbestimmung braucht meiner Meinung nach Voraussetzung.
00:17:12: Es braucht Wissen und verständliche Informationen.
00:17:16: Selbstbestimmung braucht Kommunikation Und das Gefühl dass die eigene Stimme etwas zählt Dass eine Frage nicht lästig ist Das einer Unsicherheit ausgesprochen werden darf Dass jemand zuhört.
00:17:31: Und gleichzeitig möchte ich auch etwas anderes sagen, weil mir das sehr wichtig ist.
00:17:35: Mein Buch ist keine Abrechnung mit der Medizin.
00:17:39: Das wäre viel zu einfach und würde auch den Geschichten der Frauen überhaupt nicht gerecht werden Denn in diesen Geschichten gibt es genauso Ärzte Ärztinnen Pflegekräfte und andere Menschen im medizinischen System die einen riesigen Unterschied gemacht haben Manchmal durch eine medizinische Entscheidung manchmal dadurch dass sie genauer hingeschaut haben und manchmal einfach dadurch, dass sie zugehört und etwas verständlich erklärt haben.
00:18:07: Bei Carla war es genau diese Erfahrung – nach all den Zweifeln traf sie irgendwann auf Menschen die sich Zeit genommen haben ihre Fragen zu beantworten und ihr zu erklären welche Möglichkeiten sie hat.
00:18:22: Und plötzlich fühlte sich die ganze Situation anders an!
00:18:26: Die Krankheit war dadurch nicht verschwunden klar nicht aber sie hatte wieder Orientierung.
00:18:32: Und vielleicht ist das etwas, dass wir manchmal unterschätzen.
00:18:35: Wie viel Sicherheit dadurch entstehen kann wenn jemand sagt Ich höre dich ich nehme wahr was du sagst lass uns gemeinsam anschauen was das bedeutet.
00:18:46: und dann gibt es da noch eine weitere Ebene über die ich gern sprechen möchte Denn die Frage wer verfügt über meinen Körper endet nicht mit der letzten Behandlung.
00:18:59: Vielleicht beginnt danach sogar nochmal eine ganz andere Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper.
00:19:04: Ein Körper kann nach einer Krebstherapie anders aussehen.
00:19:09: Vielleicht fehlt eine Brust oder sieht anders aus?
00:19:12: Es gibt Narben, vielleicht ein Stummer.
00:19:15: Haare sind ausgefallen und wachsen wieder anders!
00:19:20: Ich habe viele Frauen im Podcast gesprochen die plötzlich eine völlig veränderte Haarstruktur hatten.
00:19:28: Das Gewicht hat sich verändert.
00:19:30: Organe wurden entfernt.
00:19:32: es gibt Lymphödeme.
00:19:34: Vielleicht ist Sexualität körperlich anders als vorher.
00:19:39: Vielleicht gibt es Schmerzen, Erschöpfung.
00:19:42: Vielleicht funktioniert der Darm anders?
00:19:44: Vielleicht ist die Fruchtbarkeit verloren gegangen?
00:19:47: Vielleicht sieht man von all dem äußerlich überhaupt gar nichts und trotzdem kann sich der Körper fremd anfühlen.
00:19:54: Bei Susanne, von der ich am Anfang erzählt habe war die Akuttherapie irgendwann abgeschlossen.
00:20:00: Das Stoma wurde zurückverlegt.
00:20:03: Nach außen könnte man also sagen Jetzt geht das normale Leben wieder los.
00:20:08: Aber ihr Verdauungssystem funktionierte nicht mehr so, wie sie es kannte.
00:20:12: Sie musste herausfinden welche Lebensmittel sie verträgt und was ihr Körper heute braucht.
00:20:17: Und ausgerechnet die Frau, die vor ihrer Diagnose gespürt hatte dass etwas nicht stimmt und deren Wahrnehmung zunächst immer wieder beruhigt worden war musste danach lernen ganz genau auf ihren Körper zu hören.
00:20:31: Sie musste sich auf eine neue Art wieder kennenlernen und das finde ich sehr bemerkenswert, denn vielleicht besteht das Zurückholen von Selbstbestimmung manchmal gar nicht in einer großen Entscheidung.
00:20:45: Vielleicht passiert es ein ganz kleinen Ding zu merken.
00:20:48: Das tut mir gut oder dass tut mir nicht gut Oder Ich brauche heute eine Pause.
00:20:55: Ich möchte diese Behandlung noch einmal besprechen.
00:20:58: Ich möchte eine andere Meinung hören.
00:21:00: Ich möchte meinen Körper heute nicht zeigen.
00:21:03: Ich möchte ihn gerade ganz bewusst zeigen!
00:21:06: Ich möchte wissen, was mit mir gemacht wird?
00:21:09: Ich möchte berührt werden oder ich möchte gerade nicht berührt sein?
00:21:13: Ich will selbst entscheiden wie ich mit einer Veränderung umgehe und vielleicht bedeutet es manchmal auch anzuerkennen dass der Körper heute ein anderer ist.
00:21:25: Luise eine weitere Frau aus meinem Buch lebt nach ihrer Behandlung bis heute.
00:21:31: Ihre Krebserkrankung und die Therapie haben ihren Körper stark verändert.
00:21:35: Auch ihre Sexualität ist körperlich verändert, sie kann bestimmte Dinge nicht mehr die vorher selbstverständlich waren.
00:21:43: Und trotzdem hat sie irgendwann Entscheidungen danach getroffen was für sie funktioniert.
00:21:48: Sie hat sich beispielsweise bewusst dafür entschieden das Stoma zu behalten weil es ihrem Alltag mehr Sicherheit gibt.
00:21:56: Das finde ich einen wichtigen Gedanken, denn Selbstbestimmung muss nicht bedeuten den Zustand von vor der Erkrankung wieder herzustellen.
00:22:05: Vielleicht geht es manchmal darum herauszufinden wie das eigene Leben mit diesem Körper heute funktionieren kann und Ich glaube dass genau an diesen Punkt auch meine Fotografie eine Rolle spielt Denn ich erlebe bei meinen Shootings immer wieder Frauen die ihren Körper nach einer Erkrankung zum ersten Mal ganz bewusst anschauen.
00:22:26: Manche haben sich lange nicht nackt im Spiegel angesehen, manche haben Narben die sie verstecken.
00:22:31: Manche sagen dass Sie Ihren Körper kaum wieder erkennen und bei einem Fotoshooting passiert etwas sehr einfaches Der Körper wird sichtbar so wie er jetzt ist.
00:22:46: Das verändert die Geschichte dieses Körpers nicht.
00:22:48: Es macht keine Operation rückgängig es nimmt keine Narbe weg Aber es kann einen Moment schaffen, in dem eine Frau selbst entscheidet wie sie gesehen werden möchte.
00:22:59: Wie viel sie zeigen möchte was festgehalten werden soll und vielleicht ist auch das eine Form von Verfügung über den eigenen Körper zu sagen Das bin ich!
00:23:10: Das ist mein Körper.
00:23:12: Das ist mit ihm passiert Und ich entscheide heute wie ich ihn anschaue.
00:23:18: Beim Schreiben meines Buches bin Ich immer wieder an genau diesen Punkt gekommen.
00:23:22: Am Anfang vieler Geschichten steht ein Zweifel.
00:23:26: Etwas stimmt nicht!
00:23:28: Dann kommt eine Diagnose, danach eine Zeit in der unglaublich viel von außen auf diesen Körper einwirkt und irgendwann beginnt für viele Frauen ein Prozess indem sie sich selbst und ihrem Körper wieder näher kommen müssen.
00:23:43: Das passiert nicht bei jeder Frau gleich Und ich möchte auch überhaupt nicht behaupten dass jede Frau mit Krebs das Gefühl hat die Kontrolle über ihren Körper verloren zu haben.
00:23:50: Das wäre ja falsch Aber es ist ein Muster, das mir in vielen Gesprächen begegnet ist.
00:23:57: Und genau deshalb möchte ich heute am Ende dieser Folge die Frage gern an dich weitergeben – denn mich interessiert wirklich wie du das erlebt hast!
00:24:06: Gab es während deiner Erkrankung einen Moment, in dem du das Gefühl hattest, dass dir Entscheidung über deinen Körper nicht mehr vollständig bei dir lag?
00:24:15: Vielleicht sogar schon vor deiner Diagnose….
00:24:18: Hast du gespürt, dass etwas nicht stimmt und hattest das Gefühl damit nicht gehört zu werden?
00:24:23: Oder vielleicht war es auch während der Behandlung.
00:24:27: Gab es einen Moment in dem alles so schnell ging, dass du erst später verstanden hast was eigentlich mit dir und deinem Körper passiert?
00:24:35: Gab es eine Entscheidung bei der du dir mehr Zeit, mehr Information oder eine andere Begleitung gewünscht hättest?
00:24:42: Oder hast du vielleicht auch genau das Gegenteil erlebt?
00:24:46: Hattest du Ärzte an deiner Seite, bei denen du dich gut informiert und in deine Entscheidungen einbezogen gefühlt hast.
00:24:54: Und wie ist das heute?
00:24:56: Vertraust du deinem Körper?
00:24:58: hat sich deinen Verhältnis zu ihm durch die Erkrankung geändert?
00:25:02: Gab es einen Moment, in dem Du das Gefühl hattest jetzt gehört mein Körper wieder mir?
00:25:08: Diese Erfahrungen interessieren mich gerade ganz besonders auch deshalb weil ich beim Schreiben meines Buches gemerkt habe wie viele unterschiedliche Antworten es auf diese Frage gibt.
00:25:21: Wer verfügt über meinen Körper?
00:25:25: Wenn du diese Folge bei Spotify hörst, dann kannst du direkt auf diese Folge reagieren und mir deine Erfahrungen schreiben.
00:25:32: Da würde ich mich riesig freuen!
00:25:34: Du kannst natürlich auch über Instagram eine Nachricht schicken Und du musst dafür überhaupt gar keine perfekte Antwort haben.
00:25:41: Vielleicht ist das nur eine Situation an die du sofort denken musst Vielleicht ein Satz, den jemand zu dir gesagt hat.
00:25:48: Vielleicht eine Entscheidung?
00:25:49: Vielleicht einen Moment in dem du dich vollkommen ausgeliefert gefühlt hast oder einen Moment, in dem Du gemerkt hast – jetzt entscheide ich!
00:25:57: Genau diese Erfahrungen interessieren mich.
00:25:59: Denn je länger Ich mit Frauen über Krebs spreche, desto deutlicher wird mir, dass es neben Diagnosen, Therapien und medizinischen Ergebnissen noch eine zweite Geschichte gibt… die Geschichte davon was einer Erkrankung Mit dem Verhältnis zum eigenen Körper macht, mit dem Vertrauen in die eigene Wahrnehmung.
00:26:20: Mit Entscheidungen – mit Sicherheit und mit der Frage wie man nach alldem wieder einen eigenen Umgang mit diesem Körper findet?
00:26:30: Vielleicht ist das auch die Frage, die am Ende meines Buches und dieser Folge offen bleiben darf!
00:26:35: Wer verfügt über meinen Körper?
00:26:38: Und was brauche ich damit ich selbst wieder sagen kann?
00:26:41: Ich?
00:26:44: Ich danke dir sehr, dass du mir heute zugehört hast.
00:26:48: Wenn du selbst eine Krebserkrankung erlebt hast dann freue ich mich dieses mal wirklich ganz besonders wenn du mir schreibst und deine Erfahrung mit mir teilst.
00:26:57: Wir hören uns in der nächsten Woche wieder bei.
00:26:58: Liebe Selbstvoll Bis dahin alles Liebe Deine Franziska!
00:27:09: Ich hoffe sehr das auch diese Folge für dich wertvoll war und Du einige Dinge für Dich selbst mitnehmen konntest.
00:27:15: Auf www.franciska-günder-fotografie.de findest du mehr über mich und meine Arbeit.
00:27:21: Informiere dich gerne zu Schön und Stark ein Fotoprojekt für Frauen mit oder nach einer Krebserkrankung, den Schön und Stark Einzelschutings, dem Podcast Lebe Selbstvoll und weitere Projekte die Frauen auf ihrem Weg stärken!
00:27:35: Teile gerne diese Folge mit deiner Familie und deinen Freunden und hilf so dabei den Podcast Lebeselbst voll weiter in die Welt zu tragen.
00:27:43: Lass mir auch super gerne fünf Sterne da und teile deine Gedanken und Erfahrungen zu dem Thema auf Instagram et Franziska Günther Fotografie mit mir.
00:27:51: Ich wünsche dir alles Liebe, liebe selbstvoll, deine Franziska!
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